28.06.2018 von Marcel Henning

Anwendungen werden immer für die Nutzer gebaut, die sie bedienen. Wir setzen uns anhand dieses Grundsatzes mit Usertests auseinander und das mit reichlich Pizza, Getränken und interessierten Leuten.

Warum Nutzertests?

Wie gern würden wir in die Köpfe der Kunden schauen und sehen, was da los ist? Rein sinnbildlich versteht sich. Man könnte etwas flapsig antworten: "Ja, dann fragt sie doch!" Eine gute Idee. Ein mögliches Werkzeug dafür sind moderierte Nutzertests, in denen man Menschen dabei beobachtet, wie sie ein Produkt (Service, Website, Gerät, etc.) benutzen. Der Clou an der Sache: Die sollen laut denken. Also aussprechen, was ihnen im Moment durch den Kopf geht. "Think aloud" heißt diese Technik.
Damit kommen wir zwar nicht an alles ran, was den Kunden in Bezug auf unser Produkt beschäftigt. Dennoch sind diese Informationen sehr wertvoll für den weiteren Produktentwicklungsverlauf.

Was muss man bei Nutzertests beachten?

Nutzertests sind zeitaufwändig. Sie benötigen eine gewisse Vor- und Nachbereitung. Und auch die Durchführung ist eine 1:1-Situation mit dem Kunden. Die Dauer dieser Session sollte nicht allzu lang gewählt werden, da wir Menschen in der Regel nicht laut denken. Nach etwa 45 Minuten ist eine Dauer erreicht, in der viele Menschen erschöpft sind und sich selbst nicht mehr auf das Aussprechen ihrer eigenen Gedanken fokussieren können. Also: Eine Session kurz halten.
Weiterhin sollten wir die Anzahl der Probanden begrenzen. Ein Grund dafür ist der Zeitaspekt. Wir brauchen für jeden Test Zeit. Ein weiterer: Die meisten Ergebnisse werden sich nach fünf bis sechs Tests wiederholen. Jacob Nielsen, einer der führenden Experten im UX-Bereich, empfiehlt daher Nutzertests mit mindestens fünf Nutzern durchzuführen.

Usecase für den Nutzertest auswählen

Wir haben uns also in der Vorbereitung bis hierhin auf fünf Probanden geeinigt und die Dauer einer Session mit maximal 45 Minuten festgesetzt. Nun sollten wir entscheiden, was genau wir testen wollen und das am besten in einer Aufgabenstellung für die testende Person formulieren. Wollen wir zum Beispiel wissen, welche Emotionen unser neues Design eines Möbelversands-Shops beim Kunden weckt, so könnte eine Aufgabenstellung sein:

Stell dir vor, du bist auf der Suche nach einem neuen Sofa und bist auf unseren Shop gestoßen. Begib dich auf die Suche nach einem neuen Sofa und erzähle uns dabei deine Erwartungen und gefühlten Hindernisse. Nutze dafür bitte das Smartphone.

Die Aufgabenstellung sollte auch die Wahl des Endgerätes mit einschließen, da es mitunter Auswirkungen auf das Setup des Nutzertests hat. Es geht darum, die App in ihrem natürlichem Umfeld zu testen. So macht es wenig Sinn, eine Geocaching-Anwendung mit einem Laptop zu testen, sondern mit einem Smartphone.

Dokumentation des Nutzertests vorbereiten

Bestenfalls kennen wir den Weg oder die Wege, die der Nutzer während des Tests gehen wird. Ein möglicher Weg in einem Shop könnte folgender sein: Shopsuche -> Produktauswahl -> Produkt in den Warenkorb -> Checkout -> Bestellung abschließen.
Um im Nachhinein die Nutzertests gut auswerten zu können, sollte ein Protokoll geschrieben werden. Da die Nutzertests jedoch auch schnelllebig sein können, macht es das Leben des oder der Protokollierenden einfacher, wenn wir bereits ein Grundgerüst für das Protokoll vorbereitet haben. Es enthält auch schon alle Fragen, die wir der testenden Person stellen wollen. Eine Vorlage dafür könnte folgendermaßen aussehen:

Seite / FrageAuf was soll ich achten?Antwort / Bemerkung / Beobachtung
SuchseiteWird das Suchfeld gefunden?
ProduktseiteLiegt die Aufmerksamkeit auf den Bildern oder den Texten?
Erste CheckoutseiteInteraktionen mit den Textfeldern
...
Letzte SeiteWelche Informationen werden erwartet? Bestellnummer, bestellte Artikel, ...?

Die Durchführung des Nutzertests

Während der Nutzertest läuft, bildet sich ein Dreigestirn:

  • eine testende Person
  • eine moderierende Person
  • eine protokollierende Person

Die testende und die moderierende Person sind diejenigen mit den meisten Redeanteilen. Der Protokollierende beobachtet, schreibt seine Beobachtungen und die Anmerkungen der testenden Person in das vorbereitete Formular (siehe oben) nieder.
Findet sich das Dreigestirn erstmals zusammen, kann man die "Spielregeln" erklären:

  • Es wird das Produkt getestet, nicht die testende Person.
  • Die testende Person hilft bei der Verbesserung des Produktes enorm.
  • Alle Gedanken sind wichtig, deshalb sollen sie ausgesprochen werden ("Think aloud").

Sollen die Usertests auf Video festgehalten werden, bieten sich auf Laptops Screen Capture Lösungen wie z.B. OBS an. Diese Software kann gleichzeitig den Screen und die Webcam aufnehmen. Somit können Mimik und Gestik ausgewertet werden, was in der nachgelagerten Auswertung der Nutzertests hilft.

Usability Testessen bei neuland

Am 28. Juni 2018 möchten wir den Nutzen eines solchen Usertests mit nettem Beisammensein kombinieren und öffnen unsere Tore für ein gemeinsames Usability Testessen. Für das leibliche Wohl stellen wir Pizza und Getränke bereit, so dass sich die Beteiligten in einer lockeren Atmosphäre ganz dem Testen und dem Netzwerken widmen können. Wir von neuland sind dabei selbst mit zwei Anwendungen vertreten, unsere Gäste bringen 8 weitere spannende Projekte mit. Positives Feedback vorausgesetzt kann dieser Termin möglicherweise der Beginn einer Serie weiterer Usability Testessen in unseren Räumlichkeiten werden. Wir würden uns jedenfalls sehr darüber freuen und wünschen allen Teilnehmenden viel Spaß und neue Erkenntnisse.

Was für Tipps und Hacks gibt es sonst noch, um Nutzertests vorzubereiten? Verratet es uns in den Kommentaren.

Der Autor

Marcel Henning
ist kreativer Problemlöser in der Frontend-Entwicklung. Durch seine Leidenschaft im Themenbereich User Experience Design verbindet er seine Aufgabe mit dem, was er am liebsten tut: das Internet für die Menschen zu einem Ort der Freude machen.
blog comments powered by Disqus