17.03.2022 von Jens Himmelreich

Über hundert Menschen auf 24 Zoll. Versammelt, um die neuland-Strategie-Woche abzuschließen. Leider Remote. Deshalb der Bildschirm. Der Auftakt war eine Woche zuvor. Strategie als Muster war die These. In einer Woche haben 29 Gruppen aus Teams, Gilden und Kreisen 217 Muster gesammelt. Die Mustermesse bildete den Abschluss. Das Messegelände war ein Zoom-Raum inklusive Breakout-Sessions, gepaart mit einem Miro-Board. In vier Messehallen arrangierten die Gruppen ihre Stände. 106 Muster haben sie auf die Messe mitgebracht. Die Hallen waren thematisch gruppiert: 'Technik/Informatik', 'Tools und Arbeitstechniken', 'Organisation gestalten' und 'mit Kunden zusammenarbeiten'.

Die Mustermesse beginnt

Phase eins. Die Gruppen flanieren über das Gelände. Interesse wird mit einer roten Fahne bekundet. 96 Fahnen werden gehisst. Phase zwei. Gespräche. Die Gruppen teilen sich auf, sie besuchen die Messestände. Gespräche werden geführt, Muster beschrieben, Erfahrungen ausgetauscht. Phase drei. Entscheidungen. Die Gruppen kommen wieder zusammen, sie tauschen aus, was sie gesehen, gehört und gelernt haben. Es wird diskutiert, man einigt sich. 17 Experimente werden beschlossen. 17 Muster die in den nächsten Wochen in der eigenen Werkstatt auf die Probe gestellt werden.

Das war wuselig. In vier Stunden: aufbauen, flanieren, informieren und entscheiden. O-Töne aus dem Feedback: “etwas hektisch”, “ein wenig unstrukturiert”, “fürs Flanieren wenig Zeit”, “man wusste nicht immer genau, was jetzt passiert”. Aber: neuland war lange nicht mehr als Ganzes so sichtbar. So viele Themen, Ideen, Einblicke. So viele Gespräche über die eigene Arbeit und die der anderen Teams. Das Werkzeug Muster wurde erprobt, einiges hat noch geklemmt, mit den Ergebnissen und dem Feedback kann weiter experimentiert werden.

Eindrücke

Da es unmöglich ist einen Überblick über den ganzen Prozess, die vielen Muster, all die Gespräche zu geben, hier ein paar persönliche Eindrücke.

Ein Muster ist während der Messe entstanden. Kleine rote Fähnchen signalisierten Interesse: Team A möchte mehr über Muster B wissen. Einige Teams funktionierten die Fähnchen um: ‘Team X macht das auch.’ So wurde nicht nur Interesse, sondern auch Gemeinsamkeit sichtbar. Auch wenn nicht alle Teams zu diesem neuen Muster griffen, war das Gefühl ‘das machen wir auch’ allgegenwärtig.

Leider war die Zeit zu kurz. Es beschäftigte die mehrfachen Standbesitzenden die Frage: soll ich jetzt mit meinem Team sitzen oder zum Stand derin die Gilde wechseln. Die Gilden spielten in der Messehalle nur die zweite Geige. Ihre Stände waren spärlich besetzt.

Ein paar Muster kristallisierten sich als Spitzenreiter heraus: 'Service Load Testing', 'Health Check', '2-Minuten-Versprechen', 'FakeItTillYouMakeIt'. Um einige Probleme kreisten mehrere Muster: 'Wie können Architekturentscheidungen kommuniziert, geteilt und dokumentiert werden?', 'Wie findet Wissenstransfer statt?', 'Wie ist die Stimmung im Team?'

Das ‘2-Minuten-Versprechen’ war mir komplett neu. Ein Team praktiziert es. Wer feststeckt, kann das ‘2-Minuten-Versprechen’ einlösen. Man kann auf eine Person zugehen und bekommt für zwei Minuten Hilfe. Also eine Lösung oder zumindest eine neue Idee. Diese Praxis senkt die Schwelle zur Bitte um Hilfe, man beansprucht ja nur zwei Minuten der Zeit von Kolleg:innen. Man brütet nicht mehr so lange, bis man jemand fragt. Aber das Muster kostet auch Zeit, die Unterbrechungen sind kürzer, aber häufiger.

‘Best Practices’ beschreibt vielleicht am besten das Verständnis des Musterbegriffs, das die Mustermesse bestimmt hat. ‘Best Practices’ als der gemeinsame Nenner der Muster, die in der Messehalle ausgestellt wurden. Alle Teams haben die Praktiken als Muster beschrieben, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht haben und von denen sie glauben, dass sie auch in anderen Teams funktionieren.

Wie weiter

Unter der Überschrift 'Beschäftigt mich weiter' wurden in der Feedbacksammlung Fragen gesammelt, die über die Messe hinausweisen: 'Wie kommen wir von den Dingen, die wir tun, auf die Dinge, die wir tun wollen?' Strategie-Workshop war die Überschrift unserer Aneignung des Musterbegriffs. Wir hatten angenommen, dass neue strategische Optionen als Keim in unseren Teams entstehen und als Muster auf den Begriff gebracht werden können. Haben wir solche Muster entdeckt? Eignen sich Best Practices für diesen Zweck? Der Frage müssen wir sicher weiter nachgehen.

'Wie unterscheiden sich Best Practices von Erfolgsmustern?' ist eine andere Frage des Feedbacks. Man könnte auch sagen: Haben wir mit den Best Practices schon das gefunden, was uns erfolgreich macht? Wahrscheinlich noch nicht. Denn, so lautet eine andere Anmerkung des Feedbacks: 'Wie kann man Muster überhaupt erkennen und benennen, wenn sie schon lange in unserem Alltag eingebettet sind?' Und: 'Wie steht es mit den Problemen, für die es noch keine Muster gibt?

Wir haben begonnen nach Mustern zu fragen, aber die Methodik und die Richtung der Fragen werden wir weiter schärfen müssen. Zunächst mal haben wir einen großen Vorrat an Best Practices, die Hilfen für den Alltag im Projekt bieten und die wir ausprobieren können. Und: wir haben wieder ein bisschen neuland gespürt. Fühlt sich gut an!

Fortsetzung folgt ...