31.05.2018 von Marcel Henning

Innerhalb weniger Stunden erstellt und verfeinert das Team mehrere Zeichnungen, gibt sich gegenseitig Feedback, generiert wertschöpfenden Output und hat auch noch Spaß dabei. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Genau das ist mit der Design Studio Methode möglich. Was man dafür benötigt, wer dabei sein darf / kann / soll und warum Design Studio so erfolgreich ist, davon handelt dieser Artikel.

Visualisierungen helfen verstehen

Das menschliche Gehirn nimmt Informationen besser auf, wenn mehrere Sinne kombiniert werden. Wenn Informationen auditiv und visuell aufgenommen werden, können sie besser vom Gehirn verarbeitet werden, als wenn sie nur über die Tonspur ankommen. Unter anderem deshalb visualisieren wir bei neuland so gern.

Ereignisse bleiben unserem Gehirn noch besser erhalten, wenn wir sie mit einer starken Emotion verbinden. Die Geburt der eigenen Kinder, der Urlaub auf den Malediven, viele Erinnerungen sind mit Emotionen verknüpft. Dieser Erkenntnisse bedienen wir uns, wenn wir Design Studio als Methode anwenden.

Gemeinsames Verständnis - die Währung in agilen Teams

Der Kern von Design Studio ist das schnelle und häufige Produzieren von Zeichnungen mit Papier und Stift, ergänzt um den Austausch im Team. Den größten Mehrwert liefert die Design Studio Methode, wenn tatsächlich das ganze Team teilnimmt. Und damit sind auch die Backend-Entwickler*innen gemeint. Ein gemeinsames Verständnis ist die Währung, mit der hier gehandelt wird. Indem man das ganze Team am Entstehungsprozess teilhaben lässt, erfahren ihn alle Teilnehmenden gleichermaßen aus erster Hand. Dank der gemeinsamen Tätigkeiten wie Sehen, Zeichnen und Sprechen, gepaart mit dem Spaß an der Methode, verankern sich die Informationen in den Gehirnen des Teams.

Design Studio Start und Regeln

Die Problemstellung, für die im Design Studio Workshop eine Lösung gefunden werden soll, wird zum gemeinsamen Verständnis aller Workshopteilnehmenden zu Beginn kurz vorgestellt. Das Team kann dazu nachfolgend Fragen stellen.
Dies ist auch der beste Zeitpunkt, die Regeln des Design Studio Workshops offenzulegen:

  • Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
  • Es gibt keine Fehler, nur Experimente.
  • Feedback wird stets positiv und wertschätzend gegeben.

Danach kann es losgehen und es darf gezeichnet werden.

Acht in Zehn - Die erste Runde Design Studio

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In einem kurzen Warmup wird den teilnehmenden Personen das Visualisierungsgeheimnis nähergebracht (mit einem Punkt, einer Linie, einem Kreis und einem Viereck bzw. Teilen daraus kann man alles zeichnen, was man möchte). Die erste Runde dauert zehn Minuten. Hier sind alle Teammitglieder angehalten, acht unterschiedliche Zeichnungen anzufertigen, um das eingangs darstellte Problem zu lösen. Bei vielen Personen wirkt sich der Zeitdruck in dieser Runde tatsächlich positiv aus. Statt perfektionistisch auf einem Screen herumzudenken, kann in dieser Phase innerhalb kurzer Zeit mit vielen Versuchen experimentiert werden.

Am Ende seines etwa 15 Minuten andauernden Videos Why you need to fail teilt Derek Sivers (Unternehmer und TED-Speaker) Erkenntnisse aus einer Töpferklasse. Ein Dozent teilte die Klasse in zwei Teile. Der eine Teil wurde am Ende des Semesters anhand der Perfektion eines Werkstücks beurteilt. Ein Semester für ein einziges Werkstück.
Der andere Teil der Gruppe wurde nur nach Gewicht der abgelieferten Werkstücke beurteilt. Das überraschende Ergebnis: Die besten Werkstücke kamen aus der zweiten Gruppe. Das ganze Semester lang töpferten sie, experimentierten, machten Fehler, hatten Erfolge und verbesserten dadurch ihr Geschick und ihre Werkstücke.
Genau das Gleiche passiert in den zehn Minuten der ersten Runde Design Studio. Nur wird hier nicht mit Ton, sondern mit Strichen auf Papier experimentiert und ausprobiert. Verspricht die gezeichnete Idee keinen Erfolg, ist die nächste Chance nur ein Paar Striche auf dem Papier entfernt.

Feedback ist so wichtig - Design Studio Runde zwei

Sind die zehn Minuten vorbei, beginnt die Feedbackrunde. Die läuft beim Design Studio folgendermaßen ab:

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Die Zeichnungen, die in den ersten zehn Minuten entstanden sind, werden an einem Whiteboard oder einer Pinnwand befestigt und von der Person vorgestellt, die sie gezeichnet hat. Dafür werden drei Minuten eingeräumt. Das restliche Team hört zu und behält das Feedback zunächst für sich. Verständnisfragen sind erlaubt.
Anschließend gibt das Team in zwei Minuten konstruktives Feedback und zeigt unter Umständen Verbesserungsmöglichkeiten auf.
Nach dem Feedback wählt die Person einen Screen aus, dessen Idee sie in der nächsten Runde weiterverfolgen und detaillierter ausarbeiten wird.
Die nächste Person stellt in drei Minuten ihre Zeichnungen aus der ersten Runde vor. Das Prozedere wird fortgesetzt, bis das ganze Team Feedback erhalten hat.

Mit dem eingeholten Feedback erstellt jedes Teammitglied in weiteren zehn Minuten eine neue, detailliertere Zeichnung zum gewählten Lösungsweg. Sind auch diese zehn Minuten rum, findet sich das Team wieder an Pinnwand oder Whiteboard ein. Es folgt die zweite Feedbackrunde nach dem oben beschriebenen Prinzip.

Alle für einen - Das Finale der Design Studio Session

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Hat das gesamte Team die Detailzeichnungen präsentiert und Feedback dazu erhalten, brechen nun 45 Minuten gemeinsamer Arbeit an. Jetzt ist Teamwork angesagt und es wird im Team gezeichnet. Damit alle Teilnehmenden die Zeichnung gut erkennen können, bietet es sich an, auf einem Flipchart weiterzuarbeiten. Nun können die besten Ideen aus den erstellten Zeichnungen der vergangenen zwei Runden genommen und zu einer finalen zusammengefügt werden, also der besten Möglichkeit, die das Team zusammen erarbeitet hat, um das eingangs geschilderte Problem zu lösen - dem Workshopergebnis.

Fazit

Design Studio ist nicht nur eine effektive Methode, um ein gemeinsames Teamverständnis für eine Problemstellung und die Lösung dafür zu finden. Die Methode nutzt die Art und Weise, wie unsere Gehirne funktionieren, um die Arbeit des Teams nachhaltig zu verbessern. Dadurch, dass wirklich alle Teammitglieder teilnehmen, bleibt der gesamte Informationsschatz für das Team erhalten. Der Entstehungsprozess einer Lösung wurde gemeinsam erlebt und so können auch nachgelagerte Fragen à la "Warum habt ihr das nicht so oder so gemacht?" schnell beantwortet werden.
Ganz nebenbei erleben viele Teilnehmende den Workshop als teambildende Maßnahme.

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