Kreislaufwirtschaft - Teil 5: Partnerschaften und Kollaborationen
Erfolgreich ein zirkuläres Geschäftsmodell zu betreiben geht nur in Zusammenarbeit mit Anderen, vor allem mit den Unternehmen, die in der Lieferkette vor und nach dem eigenen Unternehmen angesiedelt sind. Deshalb widme ich den letzten Artikel dieser Reihe zur Kreislaufwirtschaft der Frage:
Teil 5: Welche Rolle spielen Partnerschaften und Kollaborationen in der Circular Economy?
Ich habe inzwischen viel darüber geschrieben, dass in der Circular Economy immer der gesamte Lebenszyklus eines Produkts, von seinen allerersten Anfängen bis zu seinem Lebensende, eine Rolle spielt. Um möglichst geschlossene Kreisläufe aufzubauen, muss man deshalb alle Akteure - alle Stakeholder - entlang dieser Wertschöpfungskette in den Blick nehmen.
Das kann zum einen Wertverluste auf der Strecke verhindern, zum anderen schafft es ein Bewusstsein dafür, auf wen und was die eigenen Produkte einen Einfluss haben, weil dann neben Zulieferern und Kund*innen z.B. auch die eigenen Angestellten, Geschäftspartner*innen und die Umwelt einbezogen werden.
Meist können Herausforderungen, an denen ein Unternehmen allein scheitert, durch den Beitrag eines anderen Unternehmens doch noch gemeistert werden. Arbeiten beide gemeinsam an der Lösung, entstehen oft sogar unerwartete, noch bessere Ergebnisse. Selbst die Zusammenarbeit mit fachfremden Sektoren kann wertvollen Input für die eigene Reise bringen.
Man unterscheidet bis zu vier Typen von Kollaborationen. Ich möchte dazu jeweils ein Beispiel anführen, um zu zeigen, wie das in der Praxis aussehen kann. Die Möglichkeiten und bereits heute auffindbaren Praxisbeispiele würden den Rahmen dieses Artikels sprengen.
1. Vertikale Netzwerke: Kollaboration innerhalb der eigenen Lieferkette
In Teil 4 dieser Serie stellte ich Riversimple vor, ein Unternehmen, das Elektroautos mit Wasserstoff-Antrieb baut, die man nur leasen, nicht kaufen kann.
Riversimple fertigt seine Komponenten nicht selbst. Um sicherzustellen, dass seine Zulieferer ein genauso hohes Interesse daran haben, die gelieferten Komponenten so zu bauen, dass sie möglichst langlebig sind und bestmöglich arbeiten, verwendet Riversimple dasselbe Bezahlmodell wie für seine Autos: pay per use!
Für seine Wasserstoffzellen hat das walisische Unternehmen z.B. eine Kollaborationskette initiiert, die es als "circular value network for fuel cells" bezeichnet: Riversimple least die Wasserstoffzellen von deren Hersteller. Der Hersteller der Wasserstoffzellen least die darin enthaltenen Membranen. Selbst das in den Membranen enthaltene Platin kann geleast werden, da es nur als Katalysator dient und sich deshalb nicht verbraucht.

Die Konsequenzen sind enorm: weil jedes Glied in dieser Kette Eigentümer dessen bleibt, was es herstellt, entkoppelt sich die Herstellung zusehends vom Bedarf an Rohmaterialien. Denkt man das ein paar Jahre in die Zukunft, wäre selbst das Bergbau-Unternehmen, das das Platin abbaut, irgendwann unabhängig von virgin Platin, könnte seine Abbautätigkeit also einstellen und sein Geld komplett mit dem Verleih von bereits in der Vergangenheit abgebautem Platin verdienen.
Arbeitest Du in einem produzierenden Unternehmen?
Welche Bestandteile Eurer Produkte könnten geleast werden?
2. Horizontale Netzwerke: Kollaboration außerhalb der eigenen Lieferkette
In Europa werden täglich große Mengen Kaffee getrunken, wobei jedes Jahr ca. 7 Millionen Tonnen Kaffeesatz als Abfallprodukt entstehen. Die belgische Firma PermaFungi nutzt Kaffeesatz als Grundlage, um damit im großen Stil Pilze zu züchten. Aus Überresten aus der Produktion von Austernpilzen stellt PermaFungi wiederum biologisch abbaubare Produkte her, z.B. Lampenschirme oder Dämmplatten. Auch andere Firmen nutzen Kaffeesatz als Ausgangsmaterial und stellen damit z.B. Schuhsohlen, Kaffeetassen oder Uhren her.
Horizontale Netzwerke können mit einem sehr breiten Spektrum von Akteuren aufgebaut werden, darunter Mitbewerber*innen, produzierende Unternehmen aus ganz anderen Branchen, (Nicht-)Regierungsorganisationen, Bildungseinrichtungen,...
Welche Teile Eurer Produktion könnten durch kreislauffähige Alternativen ersetzt werden?
3. Eins-zu-eins Beziehungen
Im Onlinehandel werden täglich viele Millionen von Paketen verschickt. Dabei entstehen große Mengen an Papp- und Plastikmüll allein schon für die Verpackung. Mehrweg-Versandverpackungen wie z.B. die von hey circle, Rhinopaq oder RePack, die z.T. selbst wiederum aus Rezyklat hergestellt sind, stellen eine gute Alternative dar.
In dieser Form von Kollaboration arbeitet das Unternehmen eng mit einem Partner innerhalb eines zirkulären Netzwerks zusammen, um ein bestimmtes Problem zu lösen.
4. Wissensaustausch und gemeinsames Lernen
Die EllenMacArthurFoundation als weltweit führende Organisation zur Verbreitung der Circular Economy stellt nicht nur einen riesigen Fundus an Bildungs- und Informationsmaterial kostenlos zur Verfügung, sie arbeitet auch weltweit mit vielen Unternehmen zusammen, um deren Geschäftsmodelle in Richtung Circular Economy weiterzuentwickeln. Dementsprechend gibt es auf der Seite der Organisation auch viele Fallbeispiele, die man sich anschauen kann. Für Austausch und gemeinsames Lernen dient auch die dazugehörige LinkedIn-Gruppe "Circular economy community – Ellen MacArthur Foundation".
Allen, die gerne mehr Informationen und Anleitung hätten beim Thema "Kollaboration in der Circular Economy", empfehle ich das Paper "Will you be my partner? Nine steps to identify and establish successful collaborations for a Circular Economy".
Damit verabschiede ich mich von dieser Blogartikel-Reihe. Wer's bis hierher geschafft hat: danke fürs Dranbleiben! 🙂
- Anita
Aus dieser Reihe
Kreislaufwirtschaft - Teil 1: Was ist die Circular Economy?
Kreislaufwirtschaft - Teil 2: Was spricht für die Circular Economy?
Kreislaufwirtschaft - Teil 3: Circular Economy Geschäftsmodelle